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Skaten wird 2020 olympisch Wie Olympia wieder hip werden will

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  • Skaten wird 2020 olympisch Wie Olympia wieder hip werden will

    Style und Regeln, Freiheit und Olympia: Für viele Skateboarder geht das nicht zusammen. Jetzt hat das IOC entschieden: Skaten soll 2020 eine Disziplin bei den Olympischen Sommerspielen in Japan sein. Fluch oder Segen?


    Mit dem Brett auf vier Rollen durch die Straßen heizen, im Park über Ramps fahren oder in der Halfpipe geile Tricks machen. Für viele ist Skateboarden mehr als ein Sport: Underground, ein Lebensgefühl, ein Statement. Deswegen ist sich die Szene auch uneins, ob es gut ist, dass Skateboarding olympisch wird und damit Teil eines strikten Reglements.


    Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, wollte aber genau das sehr gerne: Skateboarden als olympische Disziplin, um die antiquierten Sommerspiele eine Spur lässiger zu machen. Er hat sich auf die Fahnen geschrieben, Olympia wieder hip zu machen. 40 Reformvorschläge hat Bach bei der letzten Vollversammlung Anfang Dezember eingebracht, die rund 100 IOC-Mitglieder haben alle durchgewunken. Vieles soll anders und die Spiele flexibler und offener werden. Die Gastgeberländer erhalten zum Beispiel mehr Mitspracherecht und dürfen vorschlagen, welche Sportarten sie gern im Programm hätten. Wie zum Beispiel Skateboarden, Sportklettern und Surfen.


    Thomas Bach erhofft sich, damit wieder mehr junge Leute vor den Bildschirm zu locken, die an klassischen Sportarten wie Fechten oder Reiten kein Interesse haben. Dass das funktioniert, zeigt Snowboarden, das erst seit 1998 bei den Olympischen Winterspielen mit dabei ist. Mittlerweile sorgen die fünf Disziplinen, darunter Halfpipe und Slopestyle, für hohe Einschaltquoten. Was Snowboarden für die Winterspiele ist, soll Skaten für die Sommerspiele werden. 2014 wurde Skateboarding bei den Olympischen Jugendspielen in Nanjing mit Demo-Wettkämpfen vorgestellt, im Rahmen des sogenannten "Sports Lab". 2020 in Tokio soll es nun neben Baseball, Softball, Karate, Sportklettern und Surfen neu ins olympische Programm aufgenommen werden. Offiziell muss die Vollversammlung im August noch zustimmen. Aber das gilt nach der Empfehlung des IOC als reine Formsache.


    Kommerz statt Lifestyle





    Fabian Lang

    Viele Skater finden die Entwicklung aber alles andere als gut. Für sie gehören Skater auf die Straßen oder in die Parks. Der Sport sollte nicht noch stärker kommerzialisiert werden. Auch der 25-jährige Pro-Skater Fabian Lang aus Freising, der schon bei den X Games am Start war, ist skeptisch.
    "Für mich muss Skateboarding nicht unbedingt Underground bleiben. Aber es soll einfach das bleiben, was es ist. Der momentane Stand von Skateboarding ist schon manchmal etwas fraglich. Es ist alles kommerzieller geworden, große Firmen sind eingestiegen und die pulvern da sehr viel Geld rein."
    Fabian Lang





    Der Sport entwickelt sich in zwei Richtungen und spaltet sich auf: Die einen sagen, Skateboarden muss wieder das werden, was es noch vor zehn oder fünfzehn Jahren war – eine ehrliche Szene, die unter sich bleibt. Die anderen sagen: Die Welt entwickelt sich weiter, und damit auch Skateboarding.


    "Wir sind keine Wettbewerbssportler"



    In den letzten Jahren hat sich einiges getan: Skateboarding ist wesentlich professioneller geworden, ein Contest folgt auf den nächsten. Gerade die Street League - sowas wie die Champions League im Skateboarding - oder die X Games zeigen, dass Skaten längst im Actionsport-Business angekommen ist und sich gut vermarkten lässt. Für Fabi sind die Olympischen Spiele aber nochmal eine komplett andere Sache, auch weil sie nicht von Skatern selbst organisiert sind.
    "Skater sind eigentlich keine richtigen Wettbewerbssportler. Da geht’s nicht um Zeiten oder Meter. Auch wenn man bei einem Contest fährt und den gewinnen will, finde ich das ein bisschen lockerer. Da will keiner einen neuen Rekord aufstellen"
    Fabian Lang







    Titus Dittmann


    Titus Dittmann, der deutsche Skate-Pionier schlechthin, kann die Einwände vieler Core-Skater verstehen, die eine Olympia-Teilnahme mit einem Verrat an der Skateboard-Kultur gleichsetzen.
    "Skateboarden ist die stärkste bewegungsorientierte Jugendkultur, die es je gegeben hat. Das kann man in etwa vergleichen mit Musikkulturen. In der Punk-Szene damals waren alle cool, alle super und kaum macht eine Punkband einen Hit und steht in den Medien, ist sie ein Verräter und kommerziell abtrünig. Ähnlich emotional geht’s in der Skateboard-Szene zu."
    Titus Dittmann





    Selbstbestimmt zum kleineren Übel



    Auch Titus kann sich nur schwer vorstellen, wie Pro-Skater 2020 gemeinsam mit anderen Sportlern beim Auftakt der Olympischen Spiele einziehen: Ein Skateboard-Individualist passe nicht in so einen fast militärisch anmutenden Aufmarsch. Trotzdem hat sich Titus Dittmann dafür eingesetzt, dass Skateboarding olympisch wird. Seit 2014 ist er der Vorsitzende der FIRS, dem Internationalen Rollsportverband. Titus sagt, dass er keine Alternative gesehen hat.
    "Wenn’s sowieso olympisch wird, ist es das kleinere Übel, dass sich dann auch Menschen, die aus dieser Szene kommen, um die Belange der Skateboarder kümmern und versuchen, die Inhalte des Skateboardens so weit wie möglich zu erhalten – als Ausdrucksmittel und als Jugendkultur."
    Titus Dittmann





    Titus betont, dass die FIRS mit Sitz in Rom für das IOC offizieller Vertreter der Skateboarder ist. Tatsächlich aber ist die weltweite Skate-Szene bis jetzt unorganisiert und hat keine festen Strukturen. Es gibt allein in den USA mehrere Skateboard-Organisationen und Verbände. Neben der Street League, die mehr Event-Organisation als Verband ist, gibt es noch Worldcup Skateboarding oder die ISF, die International Skateboarding Federation. Das IOC hat letztere auch damit beauftragt, die Demo-Wettkämpfe bei den Young Olympic Games in Nanjing 2014 zu organisieren.




    Mirko Holzmüller (links)



    Mirko Holzmüller aus München, Vorsitzender des Skateboarding München e.V. und erfahrener Skateboard-Judge, sieht Olympia als Chance für den Sport - falls die Wettbewerbe von den richtigen Leuten aus der Szene organisiert werden. Auch wenn das ohne einen Dachverband schwierig wird. "Es gibt verschiedene Interessensgruppen, die alle Dollarzeichen in den Augen haben und das für sich beanspruchen wollen.“ Ohne Geld läuft nichts, auch beim Skaten. Trotzdem glaubt Mirko, dass die Olympischen Spiele dem Skateboarding mehr Aufmerksamkeit bringen würden, das wiederum würde mehr Sponsoren und letztlich auch mehr Geld für die Nachwuchsförderung oder Skatehallen nach sich ziehen. Eine Win-Win-Situation – Lifestyle hin oder her.

    Von: Nina Pietschmann
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